Perlen wurden in der Geschichte nicht nur als Schmuckstücke getragen oder für edle Stickereien für Kleidung und Zimmerschmuck verwendet. Auch in vielen Religionen haben Perlen immer eine Rolle gespielt. So wie Gold und Edelsteine zur besonderen Schönheit und Erhabenheit von Tempeln und anderen rituellen Stätten von Bedeutung waren, so wurden Perlen schließlich für Gebetsketten verwendet. Bekannt ist der klassische Rosenkranz in der katholischen Kirche. Allerdings werden diese Gebetsketten meist aus hölzernen Perlen oder geschnitzten Perlen aus anderem Material hergestellt. Manchmal befinden sich besonders wertvollen Rosenkränzen einige echte Perlen. In den Anfängen ihrer Verwendung wurden diese Gebetsketten der früheren Christen jedoch aus echten Perlen hergestellt. Dabei spielte die tiefe Verwurzelung von Wert und Bedeutung der Muschelperlen eine entscheidende Rolle. Bis heute werden solche Gebetsketten vielfach sehr kunstvoll und aus edelsten Materialien angefertigt.
Allein in der römisch-katholischen Kirche sind mehrere Rosenkränze bekannt, wie der klassische, der Barmherzigkeitskranz, der Kranz unserer lieben Frau und der kleine Rosenkranz. In der orthodoxen Kirche gibt es zwei Rosenkränze. Eine Perlenkette als Gebetskette verwenden ebenfalls die Buddhisten, die Hindus und die Menschen von islamischem Glauben. Bei den asiatischen Gebetsketten der Buddhisten und Hindus werden die Ketten ebenfalls nicht aus echten Perlen gefertigt. Hierfür werden Palmholz, Nüsse, auch Hornperlen verwendet. Etliche Gebetsperlenschnüre werden auch aus Knochen gefertigt. Die islamische Gebetskette, die Mashaha, Subha oder Tashib findet sich in verschiedenen Ausführungen von Ketten mit jeweils 11 bis hin zu Ketten mit 1.000 Perlen.
Bei den Perlenschnüren, die als Gebetsketten dienen, kommt den einzelnen Perlen eine festgelegte Bedeutung zu. Sie stehen für bestimmte Worte, Anrufungen und Gebete in einer rituell vorgegebenen Reihenfolge. Dabei wird das Wort, das Gebet, die bestimmte Anrufung jeweils eine Perle ergriffen. Die Gebetsketten werden sowohl für das heimische Gebet wie auch das Gebiet in einer Gemeinde benutzt. Würdenträger der verschiedenen Religionen tragen sehr häufig solche Gebetsketten, wie den Rosenkranz, offen an ihrer Kleidung. Gebetsketten wurden jedoch auch von Naturvölkern und ihren Naturreligionen in sehr ähnlicher Weise verwendet. Bei den alten Naturreligionen kam einigen Gebetsketten noch eine Funktion als Schutz zu. Ihre Träger wollten sich damit gegen Krankheiten und vielfältiges Unheil schützen.
Bild: panthermedia.net Werner Münzker